Bahnhof Edendorf

Mit der Eingemeindung der vormals eigenständige Kommune Edendorf im Jahre 1965 in die Stadt Itzehoe wurde auch der Bahnhof Edendorf eine Bahnanlage innerhalb Itzehoes und hat deshalb hier Aufnahme gefunden.

Die eingleisige Bahnstrecke Itzehoe - Wrist wurde am 01.08.1889 in Betrieb genommen, in Streckenkilometer 3,3 erhielt der "Flecken" Edendorf einen eigenen Bahnhof. Die Bahnanlagen bestanden aus dem durchgehenden Hauptgleis, einem beidseitig angeschlossenen Freiade- und Rangiergleis mit gepflasterter Ladestraße sowie einem zweigeschossigen Empfangsgebäude mit angebautem Güterschuppen. Im Erdgeschoß des Empfangsgebäudes befanden sich Fahrkartenausgabe/ Gepäckabfertigung, ein Warteraum für Reisende sowie - in einem gleisseitigen Anbau - das Stellwerk. Im Obergeschoß war eine Dienstwohnung.

Edendorf war bis Anfang der 60´er Jahre Zugmeldestelle. Vom Stellwerk aus wurden die beiden Einfahr- und Ausfahrsignale bedient. Es ist nicht bekannt, ob die Weichen 1 und 2 sowie die später eingebauten Flankenschutzeinrichtungen (Gleissperren) jemals vom Stellwerk aus fernbedient waren, anderenfalls war jedoch mit Sicherheit ein Schlüsselwerk in Abhängigkeit zu den Signalhebeln vorhanden. Die Hauptsignale konnten neben den Stellungen „Zughalt“ und „Fahrt“ auch das heute kaum noch bekannte „Ruhesignal“ (Signalflügel lag dann vor dem Signalmast, nachts zusätzlich ein blaues Licht) anzeigen. Die Schrankenbedienungsstelle für die nahbediente Schranke „Schenefelder Landstraße“ befand sich zunächst außerhalb des Gebäudes; sie wurde später in den Stellwerksanbau verlegt.

Anfang der 60´er Jahre wurde der Bahnhof Edendorf als Zugmeldestelle aufgehoben; die Zugmeldungen wurde danach zwischen Itzehoe und Lockstedter Lager bzw. Hohenlockstedt abgewickelt. Für die Bahnübergangssicherung wurde eine Blinklichtanlage eingebaut. Fahrkarten waren ohne Aufpreis im Zug erhältlich. Betrieblich war Edendorf zunächst „Bahnhof (u)“, später „Ladestelle“. Die Bedienung des Ladegleises erfolgte jetzt durch Sperrfahrten vom Bahnhof Itzehoe aus; die Schlüssel für die Weichen und Gleissperren erhielt der Zugführer/Rangierleiter beim Aufsichtsbeamten Itzehoe gegen Quittung.

Ausschlaggebend für die Einrichtung eines Bahnhofes in Edendorf waren vorrangig die Erfordernisse im Personenverkehr. An Sonn- und Feiertagen wurde das Dorf und seine Umgebung von Ausflüglern geradezu überflutet. Zu dieser Entwicklung trug auch und gerade die gegenüber vom Bahnhof gelegene Ausflugsgaststätte „Garten Eden“ („ ... mit Palmen- und Thiergarten, Weihern, Grotten, großem Lustgarten, Festsälen und Kegelbahnen“ wie es in einer zeitgenössischen Broschüre heißt) bei. Bis in die zwanziger Jahre hinein verkehrten Pfingsten, aber auch an anderen Sonntagen im Sommer Personensonderzüge von Hamburg (über Itzehoe) nach Edendorf für den Ausflugsverkehr.

Planmäßig verkehrten fast während der gesamten Betriebszeit 6 Personenzugpaare auf der Strecke Itzehoe - Wrist. Bis 1962 waren dies überwiegend mit Dampflokomotiven der BR 74 bespannte Wagenzüge („Donnerbüchsen“), welche danach in der Mehrzahl durch Triebwagen der Baureihe 798/998 ersetzt wurden. Allerdings verkehrte bis zum Ende des Personenverkehrs auch noch eine lokbepannte Zuggarnitur (V 100 mit B3yg-Wagen). Ab Mai 1962 verkehrten an Sonn- und Feiertagen keine Personenzüge mehr auf der Strecke.

Am 27.09.1975 um 8.58 Uhr fuhr der letzte Reisezug in Edendorf ab, der Personenverkehr wurde auf Busse des Stadt- und Überlandverkehrs verlagert. Danach wurde die Strecke zwischen Edendorf und Hohenlockstedt stillgelegt und später zurückgebaut. Heute befindet sich auf der Trasse teilweise ein Rad- und Wanderweg.

Für den Güterverkehr hatte Edendorf stets eine gewisse Bedeutung. In den Jahren um die Jahrhundertwende gab es zeitweise eine Brauerei, eine Meierei, eine Ziegelei, sowie eine Margarine- und Wurstfabrik. Bis weit in die 30´er Jahre hinein wurden dann schwerpunktmäßig landwirtschaftliche Güter ver- und entladen. Neben Edendorf selbst gehörten weite Bereiche des nordwestlichen Itzehoer Umlandes zum Einzugsgebiet, Zeitzeugen zufolge war Edendorf sogar Empfangsbahnhof für Düngemittel nach Schenefeld (Fa. Peperkorn). Etwa ab 1935 kamen dann verstärkt chemische Güter dazu, für die gegenüberliegende Chemische Fabrik (später Fa. Scheffer, zuletzt Fa. Biesterfeld) wurde eine Kesselwagenentladestelle eingerichtet. Die Flüssigkeitsleitung überpannte das Hauptgleis, so daß das Ladegut direkt aus das Firmengelände gepumpt werden konnte.

Die Bedienung des Bahnhofs Edendorf im Güterverkehr erfolgte bis etwa zum Ende des 1. Weltkrieges durch GmP-Züge (Güterzüge mit Personenbeförderung), danach bis etwa Anfang der 60´er Jahre mit zwischen Itzehoe und Neumünster verkehrenden Nahgüterzügen (BR 57, später 50), welche auf allen Unterwegsbahnhöfen rangierten. Die Bedienung der Ladestelle Edendorf vom Bahnhof Itzehoe aus erfolgte - zuletzt in der Zuführung als geschobene Rangierfahrt - noch bis Anfang der 90´er Jahre. Die Bahnübergangssicherungeinrichtungen (Blinklichtanlage mit Halbschranken) waren bis zu diesem Zeitpunkt in Betrieb und wurden vom Rangierleiter der Bedienungsfahrt ortsbedient.

Wann das Bahnhofgebäude abgerissen wurde, ist nicht bekannt. Der Bahnübergang, d.h. das Gleis in der Straße „Schenefelder Chaussee“ wurde erst bei der Erneuerung der Straße im Jahre 1996 ausgebaut. Die übrigen Gleisanlagen liegen noch heute, wenn auch stark überwuchert.

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