Norddeutsche Rundschau, Ausgabe vom 14.11.2012

Problemlos mit Rollstuhl auf den Bahnsteig (vorne von rechts): Delia Schwellies und Kirstin Hansen von der Agenda-Gruppe im Gespräch mit Günther Meienberg und Friedrich-Wilhelm Trottmann. Foto: ehrich

Feierstunde zur Einweihung der 2,3 Millionen-Euro-Investition / Kommendes Jahr Umbau der Toiletten ?

Itzehoe. Mehrere hundert Meter Umweg, bei Wind und Wetter und nur mit Begleitung über die Gleise. Nur so konnten Reisende, die die Treppen nicht schafften, am Bahnhof zu den Zügen gelangen. Vorbei. Gestern sind die drei neuen Aufzüge offiziell eingeweiht worden.

2,3 Millionen Euro wurden investiert bis zu dem Termin, den Ulrich Demmer vom Bahnhofsmanagement der Deutschen Bahn "ersehnt und denkwürdig" nannte. Seit Oktober laufen die Fahrstühle im Testbetrieb - "ohne Störung". Die neue Barrierefreiheit sei eine "entscheidende Qualitätsverbesserung", befand Ministerialdirigent Günther Meienberg aus dem Kieler Verkehrsministerium, das sich mit 800 000 Euro an den Kosten beteiligt hatte. Nun seien alle Knotenpunkte der Marschbahn mit Auf zügen versehen, nach der Neuausschreibung des Bahnnetzes Mitte in gut zwei Jahren würden neben der Nord-Ostsee-Bahn auch die anderen Anbieter barrierefreie Züge fahren lassen.

"Barrierefreiheit für alle ist der Maßstab, der angestrebt werden muss", sagte Bürgermeister Dr. Andreas Koeppen. Er dankte wie auch die anderen Redner vor allem der Agenda 21-Gruppe für ein senioren- und behindertengerechtes Itzehoe. Diese habe sich das erste Mal vor mehr als sieben Jahren mit dem Thema Aufzüge befasst, sagte Marita Brunswik, die der Gruppe inzwischen nicht mehr angehört. Sie lobte den Einsatz von "Motor" Friedrich-Wilhelm Trottmann, Bürgervorsteher Heinz Köhnke, der als ehemaliger Eisenbahner Kontakt hergestellt hatte, dem früheren Wirtschaftsminister Dietrich Austermann und dem FDP-Landtagsabgeordneten Heiner Garg, der in einem von Brunswik verlesenen Grußwort gratulierte. Und sie erinnerte an den mühsamen Weg zum Erfolg inklusive der Verzögerungen beim Bau. Eindringendes Wasser und Probleme bei der Stromversorgung nannte Demmer als Gründe.

Die nächste Baustelle sind die Toiletten. Möglichst im kommenden Jahr sollen sie für 50 000 Euro vandalismussicher umgebaut werden, doch zunächst müsse ein Betreiberkonzept her, so Demmer. Daran werde gestrickt, und es gehe dabei auch um Zivilcourage und die Mitverantwortung der Öffentlichkeit: "Es ist Ihr Bahnhof." Wenn dieser Umbau geschafft sei, stehe der Bahnhof dort, wo er hingehöre, betonte Koeppen: "Ein Fernverkehrshalt muss einen guten Standard haben." Zum Artikel bei der Rundschau

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Norddeutsche Rundschau, Ausgabe vom 13.10.2012

Endlich barrierefrei zum Zug

Aufzüge im Bahnhof sollen am 22. Oktober in Betrieb genommen werden / Agenda 21-Gruppe sieht noch viel Handlungsbedarf

Itzehoe. Eine gute Woche müssen sich die Mitglieder der Agenda 21-Gruppe für ein senioren- und behindertengerechtes Itzehoe noch gedulden, dann haben sie ihr Ziel endlich erreicht: Die Aufzüge am Itzehoer Bahnhof werden in Betrieb genommen. Die Züge sind dann endlich barrierefrei zu erreichen. Aber was ist schon eine Woche im Vergleich zu der Zeitspanne, die hinter dem Projekt liegt? Schon vor mehr als einem Jahrzehnt begann das Engagement für die Fahrstühle. Zwischenzeitlich gab es 2007 erste Hoffnungsschimmer, doch dann folgten doch noch viele Verzögerungen. Erst sollte im Frühjahr 2010 mit dem Bau begonnen werden, dann wurde es doch 2011. Auch mit der Fertigstellung dauerte es etwas länger: Statt Anfang 2012 wurde es erst Mai - und nun schließlich Oktober.

"Was lange währt, wird endlich gut", sagt auch Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst. Voraussichtlich Montag, 22. Oktober, sollen ihrer Auskunft nach die Aufzüge in Betrieb genommen werden. Vorausgesetzt, der TÜV gebe grünes Licht. Eine Besichtigung in dieser Woche brachte noch einige Mängel ans Licht, so sei unter anderem eine defekte Aufzugtür noch nicht ausgetauscht gewesen. Doch man sei nun auf der Zielgeraden.

"Dem Projekt war kein Glück beschieden", bedauert Brunkhorst. Zuletzt habe es im Frühjahr einen Wassereinbruch in der Baugrube gegeben, so dass Stabilisierungsmaßnahmen nötig wurden. Auch die elektrotechnischen Planungen habe man noch einmal überarbeiten müssen, weil sich die Voraussetzungen geändert hatten. Auch bei der Bahn sei man über die vielen Verzögerungen nicht glücklich, sagt die Sprecherin. "Wir haben uns Barrierefreiheit auf die Fahnen geschrieben."

Bis die am Bahnhof endgültig erreicht sei, gebe es aber noch viel zu tun, sagt Marita Brunswik von der Agenda 21-Gruppe. Sie dämpft die Hoffnungen etwas: Nach ihren Kenntnissen handele es sich bei der Inbetriebnahme zunächst um einen Testbetrieb. Es sei nicht auszuschließen, dass dann noch einmal Unwägbarkeiten auftreten, so dass die Fahrstühle erneut stehen.

Mit den Aufzügen sei ein großer Schritt getan. Endlich müssten Rollstuhlfahrer sich nicht mehr vorher anmelden, wenn sie mit der Bahn reisen wollen. Denn zu den Zügen konnten sie bislang nur gelangen, wenn sie von einem Begleitservice der Bahn über die Schienen geleitet wurden - außerhalb des Bahnhofs und ungeschützt bei Wind und Wetter. Wenn dann ab 2014 zudem nur noch Niederflurzüge im Einsatz seien, werde die Situation noch besser.

Doch Brunswiks Liste mit Punkten, die "einvernehmlich geklärt werden sollen", ist noch lang. So wird unter anderem die Notwendigkeit für ein Blindenleitsystem zum Aufzug gesehen. Denn der gläserne Eingang sei nur 1,5 Meter von den Treppen entfernt, die Möglichkeit zur Orientierung sei nötig. Es müsse auch geklärt werden, wie das Notrufsystem funktioniert. Und auch wie es mit den Toiletten weitergeht, sei eine offene Frage. "Das ist noch nicht vom Tisch."

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Norddeutsche Rundschau, Ausgabe vom 29.06.2012

Frischer Anstrich: Gestern wurde der Empfangsbereich rot angemalt -
doch nicht allen Fahrgästen gefällt die Farbe. Foto: Ehrich

Immer neue Probleme am Bahnhof

Farbe kommt nicht gut an / Aufzüge werden erst im Herbst in Betrieb genommen / Toiletten wegen Vandalismus erneut geschlossen

Itzehoe. Diese Überraschung ist der Bahn gelungen: Als Fahrgäste gestern Morgen den Eingangsbereich des Itzehoer Bahnhofs erblickten, strahlte das Empfangsgebäude in kräftigem Rot. Ein bisschen zu kräftig und zu rot, wie Zugfahrer bemängelten, die erbost in der Redaktion - und teilweise sogar im Rathaus - anriefen. "Grottenhässlich", "scheußlich", "unmöglich" finden sie den Anstrich, ganz abgesehen davon, dass er offenbar völlig ohne Vorarbeiten auf die abblätternde alte Farbe angebracht worden sei.

Die neue Farbe sei im Zuge eines Programms angebracht worden, das den Itzehoer und andere Bahnhöfe "mit Farbe und Licht aufwerten" soll, erklärte Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis auf Nachfrage. Rot sei gewählt worden, um das Empfangsgebäude abzusetzen und die Architektur abzuheben gegenüber der Halle, die sehr hell gestrichen worden sei. Die Maler sollten "mit erdigen Farben" arbeiten, so Meyer-Lovis. "Wenn es knallrot ist, werden wir das auch nicht abnehmen."

Doch während an der einen Stelle auf Farbe und Licht gesetzt wird, sieht es an anderen Stellen düster aus: Die WC-Anlagen im Bahnhof waren zwar zwischenzeitlich geöffnet, sind jetzt aber erneut außer Betrieb. "Wir mussten sie schon wieder wegen Vandalismus schließen", erklärte Meyer-Lovis. "Die Toiletten sind total zerstört." So sei im Damen-WC die Spülung kaputt gemacht worden, im Herren-Bereich wurden Kabel aus der Wand gerissen und das Urinalbecken zerstört. "Die Aufträge zur Reparatur sind raus, wenn sie ausgeführt wurden, können die Toiletten wieder geöffnet werden", sagte Meyer-Lovis.

Die immer wieder geforderte Modernisierung rückt damit erneut in die Ferne. Eine vandalismussichere Erneuerung würde mindestens Kosten im oberen fünfstelligen Bereich verursachen und war daher abgelehnt worden (wir berichteten). Auch die Unterschriften, die von der Agenda 21-Gruppe für ein senioren- und behindertengerechtes Itzehoe gesammelt wurden, werden daran wohl in absehbarer Zeit nichts ändern. "Die Sanierung ist zu teuer", bekräftigte Meyer-Lovis. "Ich würde mir wünschen, dass mal Unterschriften gesammelt werden, dass so etwas nicht zerstört wird." Denn dass dies immer wieder geschehe, sei wirklich "bedauerlich und schlimm".

Bedauerlich findet er auch, dass die neuen Aufzüge noch immer nicht in Betrieb genommen werden konnten. Nach mehreren Verzögerungen war die Fertigstellung zuletzt für Mai angepeilt worden. Doch auch daraus wurde nichts. "Es gibt erhebliche Probleme mit der Stromversorgung", erklärte der Bahn-Sprecher. Diese reiche nicht aus, deshalb sind weitere Elektroarbeiten erforderlich. "Das ist ja nicht damit getan, mal kurz ein Verlängerungskabel auszulegen, das ist ja ein bisschen mehr", so Meyer-Lovis. Deshalb könnten die Fahrstühle nun leider erst im Herbst in Betrieb genommen werden.

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