Bahnbetriebswerk Itzehoe

Bereits mit der Verlegung des Itzehoer Bahnhofs von der Südseite der Stör an seinen heutigen Standort wurde „eine Locomotiv-Wasserstation und eine Remise für eine Reservelocomotive und 4 Wagen“ sowie eine kleine Reparatur-Werkstatt etwa im Bereich des späteren Bahnbetriebswerkes gebaut. Die Hauptlast der Zugförderung trugen 1B-Lokomotiven, welche später als P3 eingereiht wurden. Der Lokomotivbestand der Schleswig-Holsteinischen Marschbahngesellschaft betrug bei deren Übernahme durch die Preußischen Staatsbahnen im Jahre 1890 30 Stück, von denen vermutlich bereits eine Reihe in Itzehoe stationiert wurden.


Das eigentliche Bahnbetriebswerk Itzehoe entstand etwa um 1890, nachdem die Marschbahn im Jahre 1878 nach Heide (Holstein) verlängert worden war. Zudem war 1889 die eingleisige Strecke Itzehoe - Wrist eröffnet worden.


Die im Bw Itzehoe beheimateten Lokomotiven erbrachten in erster Linie Leistungen auf der Marschbahn selbst zwischen (Altona -) Elmshorn und Husum sowie auf den Strecken nach Wrist, nach Brunsbüttelkoog (1893) und - zumindest nach der Auflösung des Bw Heide (Holst) im Jahre 1952 - teilweise auch auf der „Kögebahn“, also von St. Michaelisdonn über Marne nach Friedrichskoog und Neufelderkoog.


Beheimatet waren im Bw Itzehoe in erster Linie mittelgroße Schlepptender- und Tenderdampf-lokomotiven für den leichten bis mittelschweren Personen- und Güterzugdienst. Hierbei fällt auf, daß es sich beim Einsatzbestand (*) - mit kurzfristiger Ausnahme der Baureihen 64, 86 und 89 - stets um Maschinen preußischer Länderbauart handelte:

Baureihe 1933 1946 1950 1952 1953 1954 1955 1956 1957 1959
38 8 9 5 3 4 5 4 5 5 6
39 - 1* - - - - - - - -
44 2 2* - - - - - - - -
50/52 - 5* 2* - - - - - - -
55 10 11 2* - - - - - - -
56 - 4* - - - - - - - -
57 1 16 11 10 6 6 7 8 5 5
64 - - - - - - - - 1 1
74 3 4 4 8 9 8 6 6 4 2
86 - - 3 - - - - - - -
89 - - 1 1 1 - - - - -
91 9 4 4 - 3 3 3 1 - -
Summe 31 56* 32 22 23 22 20 20 22 20

* = Abstellbahnhof für Schad- und Ost-Rückführlokomotiven innerhalb der BD Hamburg war u.a. Wilster. Diese Loks wurden für die Zeit der Abstellung zwar dem Bw Itzehoe zugewiesen, gehörten aber selbstverständlich nicht zu dessen Einsatzbestand. Die abgestellten Loks wurden nach und nach kalt einem EAW zur Aufarbeitung oder Zerlegung zugeführt.

Die Itzehoer Maschinen des Einsatzbestandes waren allerdings neben denen des Bw Buchholz (Nordheide) stets dafür bekannt, innerhalb des Direktionsbezirks (RBD, BD) Hamburg die saubersten und gepflegtesten zu sein.

Bis Mitte der 60´er Jahre war die Hauptlast der Güterzugförderung auf der Marschbahn einschl. der abzweigenden Strecken mit zunehmender Ausmusterung bzw. Abgabe der BR 57 auf Lokomotiven der BR 50 übergegangen, welche zwar nicht in Itzehoe beheimatet, jedoch dort behandelt und auch von Itzehoer Personalen gefahren wurden.

Die Anlagen des Bw Itzehoe erhielten mit der Erweiterung der Itzehoer Bahnanlagen ab 1911 sowie mit der Erweiterung des Ringlokschuppens und dem Einbau der größeren 20-m-Drehscheibe im Jahre 1927/28 ihre endgültige Zusammenstellung und Ausdehnung. Danach waren alle für den Dampflokbetrieb erforderlichen Anlagen wie Wasserturm mit Saugbrunnen, Bekohlungsanlage mit Elektrokran, Schlackengrube, Drehscheibe und 14-ständigem Ringlokschuppen mit Rauchabzugsanlage und hohem Schlot vorhanden. Daneben gab es aber ein Verwaltungs- und Sozialgebäude sowie eine Werkstatt (Schmiede) mit Stofflager, welche bereits aus dem Jahre 1878 stammten. Weiterhin waren bis ca. 1945 Anlagen für die Güterwagenausbesserung (nördlich der Straßenbrücke „Brückenstraße“) sowie zur Wartung von Bahnbussen noch bis in die 60´er Jahre hinein eine größere Kraftfahrzeughalle vorhanden. Zudem wurde die Güterwagenwaschanlage neben der Viehrampe (Gleise 46a und 47) vom Bw Itzehoe betrieben.

Das Bw Itzehoe unterstand bis 30.11.1922 dem Maschinenamt Glückstadt (aufgelöst), danach dem Maschinenamt Flensburg. Unterstellt waren die Bw-Außenstellen in Brunsbüttelkoog Süd, Brunsbüttelkoog Nord (ab 1953) und Marne (ebenfalls ab 1953). Als erstes Anzeichen seiner bevorstehenden Auflösung gingen sämtliche Itzehoer Lokomotiven mit Beginn des Winterfahrplans 1959/1960 zu den Bahn-betriebswerken Husum und Neumünster über. Bis 1962 war das Bw Itzehoe dann noch als Personal-Bw selbständige Hauptdienststelle, letzter Dienststellenvorsteher war Technischer Bundesbahninspektor Wilhelm Rometsch. Danach wurde Itzehoe eine Bw-Ast (Bahnbetriebs-werk-Außenstelle) des Bw Husum, das Personal behielt zum überwiegenden Teil weiterhin Itzehoe als Einsatzstelle.

Der Personalbestand des Bw Itzehoe betrug im Jahre 1957 einschl. der Außenstellen rd. 230 „Kopf“, die sich wie folgt aufteilten:

- Leitung und Verwaltung 5 P
- Lokomotivfahrdienst 122 P
- Kraftwagenfahrdienst 10 P
- Handwerker 52 P
- Betriebsarbeiter * 43 P

* = neben Lokwäschern, Ausschlackern, Drehscheibenwärtern, Kohlenladern (diese Tätigkeiten waren zu bestimmten verkehrsschwachen Zeiten verzahnt) waren hierin auch die Mitarbeiter für die Güterwagenwagenwäsche sowie für die Innenreinigung von Reisezugwagen enthalten.

Anfang der 70er Jahre wurde eine Tankanlage für Schienenfahrzeuge (Dieselkraftstoff) installiert, da zunehmend Lokomotiven der Baureihen V 100 und V160 sowie Triebwagen VT 98 im Zuständigkeitsbereich eingesetzt wurden bzw in Itzehoe wendeten. Bis Anfang der 70er Jahre war ein Außenstellenleiter/Lokleiter vor Ort, gleichfalls in diesem Zeitraum wurden die Reste des Ringlokschuppens (2 Stände waren verblieben) zurückgebaut. Die bereits einige Jahre zuvor stillgelegte Drehscheibe wurde im Jahre 1982 ausgebaut. Das ehemalige Verwaltungsgebäude diente noch etliche Jahre als Lokführer-Meldestelle mit Spind-, Aufenthalts- und Ruheräumen, bis es im Mai 1988 Opfer eines Großbrandes auf dem Gelände der benachbarten Holzhandlung Biel wurde und danach vollständig abgerissen wurde.

Neben der aufgezeigten Zuständigkeit im Bereich der Zugförderung war das Bw Itzehoe für die Wartung und Instandhaltung der maschinen- und elektrotechnischen Anlagen im Bereich Itzehoe verantwortlich. Entsprechendes Personal war noch bis 1994 - mit entsprechender anderweitiger Zuordnung - vor Ort im Einsatz. Neben den Hebezeugen, Heizungs- und Kesselanlagen sind hier die elektrische Zugvorheizanlage sowie insbesondere die Eisenbahnklappbrücke über die Stör zu nennen. Diese Mitarbeiter waren ab etwa 1975 im Anbau der ehemaligen Eilgutabfertigung und ab ca. 1985 in den Räumlichkeiten des Bm-Baubezirks untergebracht.

Mit der Veränderung der Bahnstruktur im Jahre 1994 gingen die bis dahin noch verbliebenen Instandhaltungsaufgaben auf die Bahnfirma „Anlagen- und Hausdienst“ über.

Heute gibt es im fraglichen Bereich zur Betankung von Dieseltriebfahrzeugen noch immer eine Tankanlage, diese wird von der DB-Tochter „DB Tank-Service GmbH“ betrieben. Im Bereich der übrigen früheren Bw-Anlagen befindet sich ein Parkhaus der Stadtwerke Itzehoe.

Anhang

Lokpersonal des Bw Itzehoe nach 1945

(Lokomotiv- und Triebwagenführer und Anwärter beider Laufbahnen, Lokomotivheizer und -anwärter, Aushilfsheizer)

Brauns, Adolf Johnsen, Rolf Polchow, Herbert
Bannick, Willi Joschko, Friedrich Pütz, Johann
Battig, Friedrich Jürgens, Bernd Rabe, Paul
Blöcker, Karl-Heinz Jürgens, Karl Raguse, Paul
Bondzio, Karl Kaute, Erich Rave, Walter
Beck, Christian Klein, Walter Rohlfs, Friedrich
Braasch, Karl Koß, Herbert Riechers, Wilhelm
Burmester, Hans-Peter Kölln, Uwe Rödiger, Werner
Behrens, Johannes Krambeck, Hans Runge, Kurt
Brost, Karl Krause, Günther Salewski, Walter
Carstens, Hans-Markus Krieter, Werner Schaumann, Siegfried
Clausen, Heinz Kroll, Werner Schilling, Otto
Dose, Richard Krützfeld, Walter Schmidt, Helmut
Eggers, Wilhelm Kuhlmann, Heinrich Schröder, Heinrich
Eicke, Karl Lange, Helmut Schuldt, Karl
Ernst, Gerhard Lange, Karl Schütze, Werner
Evert, Hermann Leppert, Erwin Schulz, Wilhelm
Einfeld, Hans Lindemann, Max Schulze, Friedrich
Fölster, Jürgen Lorenzen, Fritz Schwedarski, Ewald
Franz, Egon Lorenzen, Karl Sieberling, Karl
Früchtenicht, Helmut Madsen, Henning Sieberling, Peter
Groth, Kurt Martin, Siegfried Siedenburg, Bruno
Gosch, Uwe Meglin, Karl Stach, Willi
Horst, Wilhelm Metzenmacher, Günter Strauß, Heinrich
Horst, Hans Möller, Hans Trennert, Hermann
Hansen, Jörg Möller, Bernhard Vollmert, Willi
Hansen, Willi Nolte, Fritz Wessel, Wilhelm
Huth, Friedrich Paarmann, Walter Westphal, Erwin
Jacobs, Paul Pätzmann, August Wolter, ...
Johannsen, Christian Paustian, Wilhelm Zander, Herbert

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