Die Güterabfertigung Itzehoe

Bereits mit Fertigstellung des ersten Itzehoer Bahnhofs südlich der Stör im Jahre 1857 gab es dort mit Sicherheit Anlagen für den Güterverkehr, da die Glückstadt - Elmshorner Eisenbahngesellschaft einen - wenn auch geringen - Teil Ihrer Betriebseinnahmen aus dem Güterverkehr (1858 = 7.200 Mark) deckte. Über Art und Umfang dieser Anlagen ist jedoch nichts überliefert.

Nach der Verlagerung des Itzehoer Bahnhofs auf die Nordseite der Stör wurde 1878 eine eigenständige Güterabfertigung am Südende der neuen Bahnhofstraße gebaut, welche dort rund 35 Jahre in Betrieb blieb.

Nach der Optimierung und dem Ausbau der Itzehoer Bahnanlagen ab 1911 wurde dann im Bereich des vormals klösterlichen „Leuenkamps“, einem Teil der von der Stadt Itzehoe erworbenen Klostermarsch, in den Jahren 1914/15 ein neues Güterabfertigungsgebäude errichtet. Die straßenmäßige Erschließung des Güterbahnhofs erfolgte zum einen über einen (neuen) Weg von der Brückenstraße aus („Leuenkamp“), zum anderen über eine Unter-führung in Verlängerung der Bahnhofstraße.

Das Gebäude der alten Güterabfertigung wurde zum Übernachtungsgebäude für Zug-personale umfunktioniert, weiterhin wurden dort einige „Beamtenwohnungen“ eingerichtet (zu den letzten Mietern dort gehörten U. Moritzen und M. Brandt). Es bestand in dieser Form bis zu Beginn der 80´er Jahre des 20. Jahrhunderts. Dann wurde es abgebrochen und das Gelände an die Stadt Itzehoe verkauft. Heute befindet sich dort das Straßenverkehrsamt.

Die Güterabfertigung Itzehoe bestand als selbstständige Hauptdienststelle der Rangklasse 3 bis gegen Ende der 70´er Jahre. Letzter Dienststellenleiter war Bundesbahnamtmann Ernst Martens. Die Dienststelle war im Laufe ihres Bestehens im Zuge der wechselnden Organisationsstruktur der Reichs- und Bundesbahn dem Verkehrsamt Hamburg-Altona sowie den Generalvertretungen Hamburg-Altona und Kiel unterstellt.

Zur Güterabfertigung Itzehoe gehörten neben der eigentlichen Abfertigung für Stückgüter und Wagenladungen organisatorisch und personell die Eilgutabfertigung (bis ca. 1966), die Fahrkartenausgabe nebst Abfertigungskasse (vormals Güterkasse) sowie die Gepäck- und Expressgutabfertigung; sogenannte „auswärtige Schalter“ waren die Abfertigungen in Kremperheide, Heiligenstedten, Edendorf und (ab 1970) auch in Wilster und Vaale.

Für die Abfertigung von Wagenladungen standen in Itzehoe selbst zumindest ab 1918 eine Reihe von Anlagen zur Verfügung:

sowie ein ausgedehntes Gleisanschlußnetz

Für den Stückgutverkehr stand eine große überdachte Halle mit ca. 1.200 m² zur Verfügung, am Schuppengleis 19 konnten 10 zweiachsige Güterwagen mittlerer Größe zur Ent- bzw. Beladung bereitgestellt werden.

Einige Zahlen aus den Verkehrstatistiken geben einen Eindruck vom Umfang des Verkehrs-aufkommens ... :

1852 Einnahmen aus dem Güterverkehr 7.200 Mark

1903 6.000 Güterwagen (= 80.000 to) im Versand

1935 35.000 Sendungen Expreßgut Versand

1955 100.000 Sendungen Expreßgut Versand

1909/10 306.650 Fahrkarten aller Gattungen

1913/14 366.805 Fahrkarten aller Gattungen

1925 430.000 Fahrkarten aller Gattungen

... und die Fahrpreiserhöhung zum 01.02.1958 (= 11 %) einen Vergleich zu den heutigen Preisen im Personenverkehr:

einfache Fahrt Itzehoe – Hamburg 2. Klasse 5,60 DM

Rückfahrkarte Itzehoe – Hamburg 2. Klasse 10,00 DM


Die Güterabfertigung Itzehoe wurde im Jahre 1978 als selbständige Hauptdienststelle aufgelöst und im Zuge der Rationalisierungsbemühungen der Deutschen Bundesbahn jener Jahre dem Bahnhof Itzehoe angegliedert; dieser wurde damit „Dienststelle mit vereinigtem Dienst“. In dieser Organisationsform erreichte die ehemalige Güterabfertigung - jetzt Abteilung Absatz des Bahnhofs Itzehoe - im Jahre 1989 den größten Zuständigkeitsbereich ihres Bestehens, sie war zuständig für die Abwicklung des gesamten Wagenladungsverkehrs ( neben Itzehoe selbst) auf den (ehem.) Bahnhöfen


Siethwende,

Glückstadt,

Krempe,

Alsen,

Edendorf,

Wilster,

St. Margarethen,

Kudensee,

Brunsbüttel-Ost,

Brunsbüttel,

Vaale,

Burg (Dithm.),

St. Michaelisdonn,

Marne,

Brunsbüttel-Nord,

Hemmingstedt,

Meldorf,

Heide,

Albersdorf,

Büsum,

Husum und

Mildstedt.


Der Stückgutverkehr wurde im Jahre 1991 (?) auf die Abfertigung in Neumünster verlagert, welche im Jahre 1995 im Zuge der Bahnreform privatisiert wurde.

Heute ist als bescheidener Rest der früheren Güterabfertigung Itzehoe noch eine kleine Organisationseinheit von „DB Cargo“ mit wenigen Mitarbeitern für die Abfertigung von Wagenladungen im Bahnhofsgebäude untergebracht.

Etwa zeitgleich wurde auch der Gepäck- und Expreßgutverkehr der Deutschen Bundesbahn als sogen. „Mitläuferverkehr“ (Beförderung in Reisezügen) aufgegeben; Reisegebäck wurde als „Haus-Haus-Gepäck“ von Spediteuren im Haushalt von Kunden abgeholt, zu Sammelstellen gebracht, dort als Sammelladung in Güterzügen befördert und von der Empfangs-Sammelstelle ebenfalls von Speditionsunternehmen wieder in der Fläche verteilt. Dieses System hat jedoch niemals den Umfang der vormaligen Reisegepäckbeförderung erreicht.

Die Gepäck- und Expressgutabfertigung Itzehoe wurde im Zuge dieser Rationalisierung auf Dauer geschlossen.

Die Fahrkartenausgabe Itzehoe wurde im Jahre 1998 im Zuge des Umbaus des Empfangsgebäudes von einer Schalter-Abfertigung in ein modernes, begehbares „Reisezentrum“ umgewandelt, welches ab 1994 im Zuge der Bahnreform dem Geschäftsbereich Fernverkehr zugeordnet und dienststellenmäßig der Fahrkartenausgabe Hamburg Hbf angegliedert wurde.

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